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GESCHICHTE DER GLORER HÜTTE

Glorerhütte

Aufzeichnungen von Sepp Haidenberger aus Kals am Großglockner (11.3.2012)

Den Bau der Glorerhütte auf dem »Berger Törl« im Jahre 1887 verdanken wir dem Führer Paul Schnell (Niggler) und seinen Nachbarn Sebastian Huter vom Jörgner und Veit Oberlohr (damals Lucknersohn, später Unterweißkopf/Lesach). Die Anregung zum Bau dieser Hütte kam von Johann Stüdl. Mit ungeheurem Fleiß bauten sie an der Hütte. Meist gingen sie um 2 Uhr nachts daheim fort, damit sie bei Tagesanbruch mit den Arbeiten an dem Bau beginnen konnten. Die Hütte war 55 m² groß und entsprach allen Anforderungen der Schutzhüttenverordnung Stüdls.
Erzählt wird (aus OH, 27. August 1948): Da mussten sie auch einmal einen Touristen bewirten. Dieser wollte unbedingt einen Tee haben. Tee hatten sie wohl, aber kein Sieb, und so konnte man doch keinem Herrn einen Tee geben. So musste halt das »Schnäuztuch« herhalten. Der Herr soll aber zur größten Befriedigung der »Wirte« immer wieder beteuert haben, dass der Tee ausgezeichnet geschmeckt habe.
Josef Rainer, (1862 – 1937) hat sich einiges erspart, sodass er ein Drittel von der Glorerhütte ankaufen konnte, die er dann eine Zeitlang selbst bewirtschaftete. Später verkaufte er seinen Anteil. Es kann angenommen werden, dass er gleichzeitig mit den »Jörgner Kindern« verkaufte.
Einiges zu den drei Erbauern der Glorerhütte:
(1) Sebastian Huter: Er war Jörgnerbauer, als Sohn des Gregorie Huter und der Annae geb. Oberlohr, am 21. Jänner 1869 geboren; Bergerrotte Nr. 3. Mit seiner Frau Apollonia (Verehelichung 1897) hatte er Kinder:
Theresia, geb. 1898; Monika, geb. 1900; Sebastian, geb. u. verstorben 1901; Anna, geb. 1903; Sebastian, geb. 1904 (späterer Bauer und Erbauer der Alpenrose); Peter, geb. 1905 u. verstorben 1906; Maria, geb. 1907 und Anton, geb. 1910.
Sebastian Huter war auch Waldaufseher. Er ist im Sept. 1912 von einem Mühlsteg, wohl infolge eines Herzschlages, ins Bergerbachl gefallen. Er wurde im Wasser tot aufgefunden.
(2) Paul Schnell (1865 – 1948) war der Sohn das Matthias Schnell und der Maria, geb. Groder; er war ledig, hatte keine Kinder; er war ein weitum bekannter Bergführer. Ausführlicher Bericht … Abschnitt »Bergführer«.
(3) Veit Oberlohr am 21. Dezember 1864 geboren, er stammte vom Luckner in Glor und erwarb den Unterweißkopfhof auf „Abenthalt“. (Siehe dazu »Simon Oberlohr«)
Josef Rainer: Er ist am 25. 3. 1862 als Sohn des Josef Rainer/Tinkenbauer und Kirchenprobst und der Elisabeth, geb. Ruprechter, geboren; Bergerrotte Nr. 15. Getauft am selben Tag von Koop. Stefan Rainer.
Die Mutter von Josef Rainer war eine »Ruprechter« in Großdorf. Dieser Thomas Ruprechter und seine Frau Ursula besaßen in Großdorf den Ruprechterhof. Anton Rogl (in Kindheit und Jugendzeit Nachbar der Ruprechters) erzählte mir (Chronist) einmal: Ursula Ruprechter hätte auch ein Geschäft gehabt, leider Vieles nur verschenkt! Kurz: Mit der Verschuldung durch den Bau des Ruprechterhauses in Ködnitz (späterer Könditzhof) ging auch der Hof in Großdorf verloren. Die Ruprechters wanderten nach Amerika aus, so ergänzt die einzige noch lebende Tochter Anna Rogl (geb. Rainer), die mit Emanuel Rogl/Schiet verheiratet war. Den Hof hatte um 1926 Josef Rainer (ich denke ein „Geschwisterkind“ des Thomas Ruprechter) erworben. Es darf angenommen werden, dass Josef Rainer seinen Anteil vom Verkauf der Glorerhütte für diesen Hofankauf verwendet hat.
Josef Rainer heiratete erst im Jahr 1934 Monika Schwarzl (geb. 1905!) und hatte mit ihr zwei Töchter: Kunigunde … schon verstorben und Anna, geb. 1936, verheiratete Rogl. Ihr Vater Josef Rainer verstarb am 21. April 1937; Anna hat ihren Vater also nie gekannt.
Nahezu 35 Jahre blieb die Glorerhütte wahrscheinlich unverändert. Sie war 55 m² groß und entsprach allen Anforderungen der Schutzhüttenverordnung Stüdls, der wahrscheinlich auch den Anstoß zum Bau gegeben hatte.

Verkauf der Glorerhütte

Rupert Huter, Vormund der minderjährigen Anna, Maria, Sebastian und Anton Huter, vertreten durch den Rechtsanwalt Hugo Kohorn in Wien, ersucht im Dezember 1923 im Namen der Minderjährigen um Verkauf der Glorerhütte zum Preis von 150 Millionen Kronen (Wert um die 60.000 €), wobei jedes Mündl 2/18 Anteil erhält. Dieses Ersuchen wird vom Gemeinderat einer eingehenden Prüfung unterzogen, und man kam zum Resultat, dass die Eingabe des Rupert Huter, Vormund der mj. Kinder Anna, Maria, Sebastian und Anton Huter, vertreten durch Dr. Hugo Kohorn, Rechtsanwalt in Wien, der Wahrheit entspricht und dass der Verkauf der Glorerhütte durch die Minderjährigen (um den Preis von 150.000.000 Kronen, wobei es jedes Mündel 2/18 trifft) als sehr günstig bezeichnet werden muss, sodass sich in dieser Beziehung kein Einwand machen lässt. Die Glorerhütte gelangt schließlich mit 23. Mai 1924 in den Besitz der »Sektion Donauland«. Im Juni 1924 erhält die Sektion Donauland die Genehmigung zur Führung des Gastgewerbes am Bergertörl (Glorerhütte).
Anm: Obiger Rupert Huter scheint 1919 im Verzeichnis über Schlachtvieh-Kontingent-Aufteilung vom 1. VI. 1919 bis 31. V. 1920 in der Gemeinde Kals in der Rotte Berg auf. Er dürfte Bewirtschafter des Jörgnerhofes gewesen sein, bis Sebastian den Hof übernehmen konnte.
Die Sektion Donauland teilte in ihren »Nachrichten« von April 1924 mit: Der Sektionsausschuss hat die Glorerhütte am Berger Thörl (2.650 m) in der Glocknergruppe erworben und damit ein bisher in Privathänden befindliches hochalpines Unterkunftshaus im schönsten und stolzesten Teile der bei Österreich verbliebenen Alpen in Sektionsbesitz gebracht. Nach Erwerb der Glorerhütte und erfolgten Renovierungsarbeiten fand am Abend des 28. Juni 1924 beim Kalser Glocknerwirt ein Begrüßungsabend statt, bei dem Donauland-Obmann Karl Hanns Richter die Gemeindevertretung, den Bergführerverein, bisherige Besitzer der Hütte und den neuen Hüttenpächter begrüßen konnte. Donaulands Festredner kontrastierten die Schönheit der Landschaft und das Glück des Tages mit der politischen Wirklichkeit der Sektion, mit dem heißen Hassessturm, der uns unten in den engen Mauern umbraust.
Ihre Hütte will »Donauland« in jenem Geist führen, den die völkischen Sektionen bekämpfen: Auf unserer Hütte gilt nur Eines: Ob Jude oder Christ, ob Hoch oder Nieder – wir wollen auch hier nur nach dem Menschen sehen und jeden willkommen heißen, der mit gleicher Sehnsucht nach dem Ewigschönen uns naht, als „freier Bergsteiger“, wie wir freie Bergsteiger sind. (DLN, Jg. 1924, S. 114)

Glorerhütte und die Sektion »Donauland«

(ua. aus Walter Kissling, Alpinverein »Donauland«):
Die Sektion Donauland wurde 1921 gegründet. In einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung der Wiener »Austria«, älteste Sektion im Deutschen und Österreichischen Alpenverein und mit ca. 6.000 Mitgliedern im Jahr 1920 eine der größten („Austria-Festschrift 1932, Anhang, Tab. 1), stimmten die Mitglieder mit überwältigender Mehrheit dem Apartheidantrag zu: „Mitglieder der Sektion Austria können nur Deutsche, somit nur Arier werden“.
Da es nun in Wien keine Sektion mehr gab, welche Juden aufnahm, die meisten jüdischen »Austria-Mitglieder« aber Mitglieder im DOeAV bleiben wollten, kam es zur Gründung der Wiener Alpenvereinssektion »Donauland«. Die Sektion Donauland verstand sich nicht als jüdische Sektion. Zu ihr kamen auch nicht-jüdische Mitglieder, die mit der rassistisch-völkischen Orientierung der Sektion »Austria« und anderer Alpinvereine nicht einverstanden waren. Mit knapper Mehrheit wurde die Sektion »Donauland« am 12. Mai 1921 in den Deutschen und Österreichischen Alpenverein aufgenommen. Für die Aufnahme von »Donauland« sprach sich insbesondere Johann Stüdl, einziger noch lebender Mitbegründer des Deutschen Alpenvereins, aus. (Siehe dazu auch Lesachalm-Hütte!).
Wegbauten. Im August und nochmals im September 1924 wird den Sektionen Donauland und Prag vom Gemeinderat Kals die Bewilligung zur Anlage der Wege „Glorerhütte – Leiterkees - Burgwartscharte – Adlersruhe“; „Glorerhütte – Stüdlhütte“ und „Glorerhütte – Böses Weibele - Lesachalm“ erteilt. Jedoch werden die Sektionen verpflichtet, die Wege möglichst bald auszubauen und hierzu nur Leute aus Kals zu verwenden. Die Gemeinde befürchtete nämlich, dass durch den Bau des neuen Weges „Heiligenblut – Salmhütte“ im Leitertal durch die »Sektion Austria« der meiste Verkehr dorthin abgelenkt werde, wenn im Gebiet der Gemeinde Kals nicht ein entsprechendes Gegengewicht durch neue gute Verbindungswege geschaffen wird. – Siehe dazu auch „Stüdlbrief“! Ein »Fritz-Senders-Weg« ist erwähnt.  Dieser Weg führt von der Glorerhütte zur Lesachhütte auf der Lesachalpe. Friedrich Senders war Mitglied der Sektion Donauland und ist tödlich verunglückt.
Übrigens, es gab einen "Alois-Luckner-Weg". Dieser führte von der Glorerhütte (wohl über die Salmhütte, so Dr. Kissling 2011, Anm.) zur Hohenwartscharte und hieß bis zur Einmündung des von rechts kommenden Hofmann-Weges so. Donauland verweist in ihrer Zeitschrift immer wieder auf die Tourenmöglichkeiten im Gebiet der Glorer- und der Lesachhütte und dort wird der Weg "Alois-Luckner-Weg" genannt.
Die junge Sektion „Donauland“ konnte ihre Infrastruktur rasch aufbauen und Alpinkurse, Schi- und Tourenprogramme realisieren, schwierig dagegen war es, zu Hüttenbesitz zu kommen. Man behalf sich zunächst damit, kostengünstig Almhütten zu pachten. Die Gegner von Donauland verurteilten dieses Bestreben äußerst schroff: In den »Austria-Nachrichten« von Mai 1921 schrieb Eduard Pichl, Donauland sucht nunmehr in den Alpenländern deutschen Boden zu erwerben, um darauf jüdische Trutzburgen zu erbauen, und er zitierte Beschlüsse zweier Sektionen: Die Sektion »Klagenfurt« erwarte von der Kärntner Bevölkerung, dass sie der jüdischen Trutzsektion Donauland keinerlei Förderung, etwa durch Verkauf von Grundstücken angedeihen lässt, und die Sektion »Lienz« wolle bei Behörden, Gemeinden, politischen Parteien und den Pfarrämtern der jeweiligen Region auf die drohende Gefahr der Einwanderung jüdischer Alpenvereine aufmerksam machen, um deren Sesshaftmachung in unseren Bergen zu verhindern.
Im Dezember 1924 wurde die Sektion Donauland aus dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein ausgeschlossen. Im Kern der Ausschlussbegründung handelte es sich um zwei konkrete Vorwürfe: den Kauf der Mainzerhütte in der nördlichen Glocknergruppe ohne Zustimmung des Hauptausschusses, und den Wegebau in der südlichen Glocknergruppe ohne Zustimmung des für dieses Gebiet zuständigen »Deutschen Alpenvereins Prag«. Johann Stüdl hatte gegen den Donauland- Ausschluss protestiert. Er war Ehrenmitglied der »Donauland«, die den Verbindungsweg von der Glorerhütte zur Stüdlhütte nach ihm benannt hatte. Es wäre plausibel, dass »Donauland« von Stüdl auf einen Erwerb der Glorerhütte aufmerksam gemacht wurde (Walter Kissling).
Karl Hanns Richter war Donauland-Obmann von 1921 – 1931 und von 1945 bis (vermutlich) zu seinem Tod, Anfang 1975. Von 1931 bis zur Auflösung des Vereins 1938 war Fritz Benedikt Sektionsobmann, im Beruf war er Sekretär des Hauptverbandes der Industrie Österreichs.
Im September 1925 genehmigt der Gemeinderat Kals der Sektion Donauland den Bau eines Saumweges zur Glorerhütte und zwar ohne Entschädigung, jedoch mit der Bitte um eine Spende für den Armenfond. 1932 wird die Glorerhütte vergrößert. Dr. Joseph Braunstein gehörte als Ausschussmitglied dem Alpenverein-Donauland durch 17 Jahre hindurch an, er war Hüttenwirt (oder Hüttenwart) der Glorerhütte am Bergertörl. Dr. Joseph Braunstein war Musikologe und Berufsmusiker (Geiger); 1930 übernahm er die Redaktion der Donauland-Nachrichten. Er leitete die Bibliothek und war Mitbegründer der „Gesellschaft alpiner Bücherfreunde“. Prospekte aus dem Jahr 1929 und 1930 (oder 1931) informieren wortgleich: Glorerhütte (2650 m) am Bergertörl. Von Kals in 4 Stunden zu erreichen, sehr gut bewirtschaftet, 9 Betten und Matratzenlager. Herrliche Aussicht. Übergang zum Glocknerhaus-Heiligenblut. Pächter: A. Luckner.
Beschlagnahme von zwei Häusern der Sektion Donauland
An der Geschichte der Glorerhütte lassen sich beispielhaft die Irrungen, Wirrungen, Fehler und Katastrophen der ersten Hälfte des 20. Jhs ablesen. Wie schon festgehalten hat der Alpenverein 1924 alle Juden aus dem Verein ausgeschlossen. Der März 1938 brachte den Anschluss Österreichs an Deutschland, und dies hatte die Zerschlagung des DOeAV zur Folge. Es gab nur noch einen gleichgeschalteten DAV. Zwangsläufig folgte umgehend die Enteignung des „jüdischen“ Alpenvereins Donauland.
Am 26. März 1938 ergeht von der Sicherheitspolizei in Wien der Befehl an die Staatspolizeistelle in Innsbruck zur Beschlagnahmung zweier Häuser der ehem. Sektion Donauland: Umgehend zu beschlagnahmen sind:
1. Glorerhütte auf dem Bergertörl, Talort Kals, bewirtschaftet von dem Bergführer Hans Oberhauser, wohnhaft in Kals.
2. Lesachhütte auf der Lesachalpe (Schobergruppe), Talort Kals, bewirtschaftet von Rupert Holaus (wohnhaft wahrscheinlich in Kals). Anm: Rupert Holaus war Kristnerbauer und Jagdpächter.
Zu diesem Zwecke ersuche ich sofort an das zuständige Bezirksgericht – Grundbuchsamt – (wohl Lienz) heranzutreten und zu veranlassen, dass ein Belastungs- und Veräußerungsverbot zugunsten des Landes Österreich in das Grundbuch eingetragen wird. Außerdem ersuche ich die Hüttenschlüssel den Bewirtschaftern abzunehmen und etwa vorhandenes Bargeld gegen Quittung einzuziehen. – Im Auftrage: gez. Staudinger.
Glorerhütte und Lesachhütte wurden also beschlagnahmt. Am 7. April wurde das Veräußerungs- und Belastungsverbot für die Glorerhütte im Grundbuch vermerkt. In der Folge dürfte den NS-Behörden bekannt geworden sein, dass die Lesachhütte kein Eigentum der Donauland war, sondern ein Pachtverhältnis bestand. Zunächst dürfte für kurze Zeit der Deutsche Jugendherbergsverband (DJHV) die treuhändische Verwaltung der beiden Hütten innegehabt haben. (Walter Kissling, Alpinverein „Donauland“, S. 26)
Der Hauptverein DAV durfte keine Hütte besitzen, daher verkaufte er die ihm zugefallene Glorer-Hütte 1940 an die Sektion Teplitz. Von nun an hieß die Glorer-Hütte »Teplitzer-Hütte«. 1952 erfolgte die Rückgabe der Hütte an den wiedergegründeten AV Donauland. Die Teplitzer-Hütte wird wieder zur Glorer-Hütte.
Chronik GP-Kals, 15. 6. 1941: „In der Teplitzerhütte am Bergertörl wurde durch Aufbrechen eines Vorhängeschlosses und einer Fensterscheibe eingebrochen und daraus Lebensmittel und andere Bedarfsartikel im Gesamtwerte von 63,43 RM entwendet. Der Täter wurde über telefonisches Ersuchen vom Gend.-Posten Heiligenblut in der Person des Max Schmiedberger festgenommen.”
Bis zur Beschlagnahme der Glorerhütte 1938 war für diese Hütte und gewiss für Kals Dr. Joseph Braunstein von Bedeutung. Siehe dazu auch »Schulchronik Oberpeischlach«!

Dr. Joseph Braunstein

Er war einer der Hüttenwarte der Glorerhütte in der Zwischenkriegszeit. Als er im April 1940 Österreich verlassen musste, fuhr der ehemalige Bürgermeister Simon Oberhauser (Bgm. von 1922 – 1928 und 1931 – 1935) nach Villach, um sich von ihm am Bahnhof zu verabschieden. Wer war nun dieser Joseph Braunstein? Dazu aus der Biographie des Dr. Joseph Braunstein, 66 East 93rd Street, New York, NY 10128:
Geboren in Wien am 9. Februar 1892; Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Wien 3. Bez., Sophienbrückengasse (von 1902 bis 1910).
Violinunterricht im 8. oder 9. Lebensjahr, und später Schüler in der Musikschule. Sein Professor Carl Lillich war auch »regens chori« in einer Kirche im 2. Bezirk, und so wurden mir im Knabenalter die Messen von Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert vertraut.
Einen beachtlichen Teil zur musikalischen Erziehung trugen die Militärkapellen der in Wien stationierten Regimenter bei, und so wurde Dr. Braunstein mit Franz Lehár vertraut. Braunstein maturierte 1910, studierte anfänglich Jus und wechselte 1912 zur Philosophischen Fakultät als Musikwissenschafter über.
1915 wurde er zum Militärdienst einberufen und zum Nachrichtendienst eingeteilt. Dort habe ich den Zusammenbruch der Monarchie beobachtet und miterlebt. Anfang November 1918 kam ich von Lemberg nach Wien zurück und war bei der Proklamation der Österreichischen Republik vor dem Parlament von den Abgeordneten Dinghofer, Praelat Hauser und Seitz anwesend. Um diese Zeit spielte ich als Substitut im Wiener Symphonie Orchester (Geige und Viola) und auch in der Staatsoper. Ich kam in Kontakt mit Furtwängler, für den ich arbeitete (Einrichtung der Orchesterstimmen nach seinen Partituren). Braunstein hatte noch Gustav Mahler gekannt.
Am 21. Juli 1920 promovierte ich zum Doktor der Philosophie. Um diese Zeit wurde ich in die politische Arena gedrängt und zwar bei dem Kampf um den sogenannten „Arier-Paragraphen“ im Deutschen und Österreichischen Alpenverein und in der Sektion Austria im besonderen. Das war eine nationalsozialistische Bewegung. Die Hakenkreuze erschienen in den Hütten und so auch Plakate „Juden und Hunden ist der Eintritt verboten“. Ein neuer Ausschuss in der Sektion Austria setzte den Arier-Paragraphen durch. Zahlreiche Mitglieder der Sektion Austria verließen die Sektion und gründeten die Sektion „Donauland“. Nun entbrannte der Kampf um diese Sektion, die 1924 in einer besonderen Versammlung aus dem Alpenverein ausgeschlossen wurde und als »Alpenverein Donauland« bis 1938 weiterbestand. Ich gehörte dieser Organisation als Ausschussmitglied durch 17 Jahre an, als Bibliothekar und als Hüttenwirt der Glorerhütte am Bergertörl.
Diese Hütte wird von Kals erreicht und liegt vier Stunden unter dem Glocknergipfel. Meine Funktion brachte mich in engen Kontakt mit der Bevölkerung, und ich wurde scherzweise als »Hausmeister vom Glocknerdorf« bezeichnet. Ich glaube, ich war achtmal auf dem Gipfel. Ich war in Kals sehr bekannt, und als mich der Zug am 15. April 1940 von Wien nach Triest zur Auswanderung brachte, kam der Bürgermeister von Kals, Simon Oberhauser (Bürgermeister von 1931 – 1935) nach Villach, um sich zu verabschieden. Am Perron (Bahnsteig, Anm.) waren nur Gestapo-Agenten, und ich zog es vor, nur ein paar Worte mit ihm zu wechseln. (Biographie von Dr. Joseph Braunstein)
Brief von Simon Oberhauser an Dr. Braunstein, Kals am 24. 5. 1938
(4 Seiten handschriftlich)
Sehr geehrter Herr Doktor!
War jetzt einige Zeit nicht zu Hause und fand bei der Rückkunft Ihren 1. Brief vor. Es hätte mich außerordentlich gefreut von Ihnen verehrter Herr Doktor nach langer Zeit wieder einmal einen Brief zu erhalten, wenn derselbe nicht unter so traurigen Umständen – als Abschiedsbrief – geschrieben worden wäre.
Sie wissen Herr Doktor, dass ich nie für Rassen- und Klassenhass zu haben war, und dass ich jeden Menschen, sei er wer er wollte, nach seinem Charakter und seinen Leistungen beurteilte, und da muss ich offen und ehrlich und vor jedermann sagen: Sie trifft dieses Schicksal ganz unverdient! So viel Gerechtigkeitsgefühl und Einsicht sollte man haben, dass man nicht wahllos oder richtiger gesagt nach ganz einseitigem Standpunkt abbaut – es wären wohl manche, ich kenne deren auch einige, viel abbauwürdiger gewesen und diese hätte es nicht unverschuldet getroffen. Was meine Person betrifft, haben Herr Doktor wohl zu viel Lob gespendet, ich habe mich weder Ihnen persönlich noch auch dem Vereine besonders nützlich erweisen können, und wenn es hie und da der Fall gewesen wäre, so war es mir eine angenehme Pflicht, einerseits der Dankbarkeit für das so außerordentlich freundliche und liebenswürdige Entgegenkommen, das Sie, lieber Herr Doktor, und alle Vereinsmitglieder mir stets so reichlich bewiesen haben und anderseits als Anerkennung der tatsächlich ganz hervorragenden Leistungen, die der A.V. Donauland gerade auf Kalser Gebiet in unverhältnismäßig kurzer Zeit vollbracht hat und der so großherzig gewidmeten Spende des Vereines für Schule und Gemeinde Kals.
Jeder objektiv und ehrlich denkende Kalser wird noch lange daran denken müssen und Ihnen bestimmt Achtung, Anerkennung und Dankbarkeit bewahren. Dass dies besonders bei mir, der ich so viel Gelegenheit gehabt mit Ihnen zu verkehren, der Fall sein wird, können Sie bestimmt versichert sein. Sollten Sie auch tatsächlich die Heimat verlassen müssen, so seien Sie überzeugt, dass dies daran nichts ändert, und dass ich aber auch begründete Hoffnung habe, dass sich das Schicksal wieder einmal zum Guten wenden wird und jeder Unschuldige und ungerecht Verfolgte zu seinem Recht und gebührendem Lohne kommen wird. Hoffe auf Wiedersehen!
Nun, lieber Herr Doktor, leben Sie wohl und nehmen Sie nochmals meinen herzlichsten Dank für alles Gute, das Sie und der Verein mir und so vielen Kalsern erwiesen haben und bitte ich, diesen Dank bei Gelegenheit auch allen bekannten Vereinsmitgliedern zu vermitteln.
In treuem Gedenken grüßt Sie hoffentlich nicht zum letztemal Ihr ergebener S. Oberhauser.
Soweit der Brief, wörtlich übernommen, jedoch in Zeichensetzung und Anpassung an die heutige Rechtschreibung geändert.
Noch einiges zu Dr. Joseph Braunstein:
Er war begeisterter Alpinist, über 200 Dreitausender und 60 Viertausender, ua. Montblanc und Matterhorn, hat er bezwungen.
Seine Beiträge zur alpinen Literatur: Behandlung des Stichwortes „Alpinismus“ für den »Großen Brockhaus; Studie „Richard Wagner und die Alpen“, gedruckt in der Zeitschrift des Schweizer Alpenklubs »Die Alpen«. Ein Buch befasste sich mit der ersten Ersteigung der Königspitze in der Ortlergruppe und mit Pater Corbinian Steinberger. Dieses überreichte er Papst Pius XI. und dies brachte ihm die »Benedizione Apostolica« ein.
Von 1926 bis März 1938 besorgte Dr. Braunstein die musikalische Spalte der Zeitschrift »Radio-Wien«. Am 15. April 1940 verließ er Wien und landete am 23. Mai 1940 (Fronleichnam) in New York. 1945 wurde er amerikanischer Bürger. Es folgten zahlreiche musikalische Tätigkeiten sowie Aufgaben an Bildungseinrichtungen ua. „reference librarian“ in der Music Civison oft he New York Public Library.
Im Jahr 1995 kehrte der damals 103-jährige Wiener Dr. Joseph Braunstein nach 55-jähriger Emigration für einen Monat nach Österreich und Südtirol zurück. Im Fernsehen wurde die Dokumentation Der alte Mann und die Berge ausgestrahlt.

Glorerhütte im Besitz der Sektion Eichstätt

Die meisten Mitglieder der »Donauland« waren vom NS-Regime vertrieben oder ermordet worden. Eine kleine Zahl ehemaliger Mitglieder fand sich 1945 in Wien zusammen und nominierte in kurzer Zeit einen provisorischen Vorstand. Promotor war der 59jährige Karl Hanns Richter (Sportlehrer und Geologe). Mit den Restitutionsanträgen für die Glorerhütte, das Friesenberghaus und die Hinteralmhütte war Donauland erfolgreich, mit der Erhaltung der Hütten war die mitgliederschwache Donauland überfordert. Hinsichtlich Verkauf nahm die Donauland, angesichts der Erfahrung mit österr. Alpenvereinssektionen in den Zwanzigerjahren, größten Bedacht darauf, dass ihre Häuser nicht in den Besitz österr. Alpenvereinssektionen gelangten.
1967 beschloss der AV Donauland sich aufzulösen und seinen Besitz zu verkaufen. Am 6. Februar 1968 kaufte die DAV-Sektion Eichstätt die Glorerhütte vom Verein »Donauland« und wendete dafür den Betrag von 40.000 DM auf. Offizielle Übernahmefeier der Hütte war vom 27. bis 30. Juli. Der zweite Vorsitzende, Dompropst Dr. Josef Rieder, zelebrierte dabei die Bergmesse.
1970 leitete Karl Hanns Richter im Alter von 84 Jahren eine Wanderwoche im Gebiet der Glorerhütte, auf seiner Glorerhütte, die er im Juni 1924 als Obmann – damals noch der Sektion »Donauland« des Deutschen und Österr. Alpenvereins – eröffnet hatte und deren Hüttenwart er – in der Nachfolge des vertriebenen Joseph Braunstein – von der Restitution der Hütte 1953 bis zu deren Verkauf 1968 war. Die Käuferin der Glorerhütte, die Sektion Eichstätt, wurde von Donauland vertraglich verpflichtet, allen Donaulandmitgliedern, die die Glorerhütte besuchen, dieselben Begünstigungen einzuräumen, die der D.A.V. seinen Mitgliedern einräumt.
Karl Hanns Richter verstarb am 29. 1. 1975. Sein Nachfolger Fritz Czischek teilte per 30. Sept. 1976 die freiwillige Auflösung des Vereins der Bundespolizeidirektion Wien mit.
1970er-Jahre: Die Sektion Eichstätt nahm umgehend Verbesserungen an der Hütte vor: Nach Wasserleitung und Hochbehälter wurde 1970 die Materialseilbahn gebaut und 1971 eingeweiht. 1976 erfolgten der Umbau der Toilettenanlagen und der Bau einer Drei-Kammer-Klärgrube.
1982 wurde mit der Erweiterung, Sanierung und Verschindelung der Hütte begonnen. Der Arbeitsdienst leistete 15.000 freiwillige Arbeitsstunden. Im Juli/August 1982 wurde in kürzester Zeit der Anbau der Glorer-Hütte vom Eichstätter Bautrupp errichtet. 1983 wurde der zweite Bauabschnitt beendet. Der Anbau der Hütte wurde am 23./24. September 1984 eingeweiht. Die Glorer-Hütte verfügte ab dieser Zeit über 56 Lager, davon 15 Betten in Ein- bis Vierbettzimmern und 41 Matratzenlager. Den Tourengehern steht im Winter auch ein Winterraum zu Verfügung. – In der Mitgliederversammlung wurde 1984 der Apotheker Gerd Sturm zum Vorsitzenden gewählt.
1986 begann die Sanierung des Altbaus der Glorer-Hütte. Am 18. Juli 1987 war „Schlusssteinlegung“ durch Gerd Sturm.
100 Jahre Glorerhütte. Im Jahre 1987 feierten die Eichstätter vom 1. bis 3. Mai 100 Jahre Glorerhütte. Auch die Kalser Musikkapelle war eingeladen (Bericht im Abschnitt Musikkapelle). Aus dem Pressebericht „Drei Festtage zum 100. Geburtstag“: Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der damalige Domkapitular Dr. Josef Rieder 1947 mit dem Wiederaufbau der durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Sektion. Später fungierte Dr. Karl Biechele nahezu 25 Jahre als Vorsitzender. Ihm folgte für 12 Jahre Rechtsanwalt Heinz Holtkamp. 1984 übernahm der Apotheker Gerd Sturm das Amt. Schon 1968 unter Dr. Biechele kaufte die Sektion für 120.000 Mark die Glorerhütte der Wiener Sektion ab. Der Deutsche Alpenverein und der Freistaat Bayern gaben jeweils ein Drittel als Zuschuss (Anm: Daher ist oben von 40.000 DM die Rede).
Die Eichstätter gaben bis 1987 über 700.000 DM für Sanierung, Umbau, Modernisierung und Erweiterung aus. Zudem leisteten die Sektionsmitglieder mehr als 10.000 Arbeitsstunden. Als die DAV-Sektion die Hütte kaufte, wiesen die Gästebücher 300 Übernachtungen auf, in der Saison 1986 waren es schon über 1000. … Soweit aus dem Zeitungsbericht.
Anlässlich der Feierlichkeiten zu „25 Jahre Glorer-Hütte im Eigentum der Sektion Eichstätt“ wurde vom 2. bis zum 4. Juli 1993 das Blockheizkraftwerk mit Solarunterstützung eingeweiht. Rund eine Mio. Mark und wiederum viele freiwillige Arbeitsstunden hat die Sektion in dieser Zeit investiert.
1998 wird das reparaturbedürftige Dach der Glorerhütte vom Bautrupp in Stand gesetzt. 1999 wird Dr. Josef Bauer zum Vorsitzenden gewählt. Hüttenwart ist Gerd Seibold, und der wird 2005 zum 1. Vorsitzenden gewählt. Das Amt des Hüttenwarts nimmt er weiterhin wahr. Zur 40-Jahr-Feier „Glorerhütte im Besitz der Sektion Eichstätt“ wurde 2008 auf dem »Weißen Knoten« ein Kreuz errichtet und von Bischof Dr. Gregor Maria Hanke gesegnet. 2010 wurde die Fluchttreppe gebaut und somit die brandschutztechnischen Auflagen weitestgehend erfüllt. 2010 übernahm der 2. Vorsitzende Josef Auer die Amtsgeschäfte der Sektion, und er wurde 2011 zum 1. Vorsitzenden gewählt.
In nächster Zeit steht die Anpassung der Abwasserreinigungsanlage an die erhöhten Auflagen und den Stand der Technik an. Der finanzielle Aufwand dafür wird ca. 350.000 € betragen. Bei Ausschöpfung aller Zuschussmöglichkeiten wird von der Sektion Eichstätt selbst der Betrag an Eigenmitteln von ca. 150.000 € aufzubringen sein, was an die Grenzen der finanziellen Belastbarkeit der Sektion geht. Nahezu 2.000 Mitglieder bringen der Sektion entsprechende Einnahmen, aber die Mitglieder erwarten sich auch ein vielseitiges und attraktives Angebot von ihrer Sektion.
Geomorphologischer Lehrpfad
Im Jahre 2004 konnte ein geomorphologischer Lehrpfad eröffnet werden, der im wesentlichen dem Aufstiegsweg zur Hütte folgt und auch jenseits des Törls seine Fortsetzung findet. Der Großglockner verbindet zwei Dörfer, diese Tatsache könnte Pate gestanden haben zur Schaffung und Gestaltung des »Geomorphologischen Lehrpfades« vom Lucknerhaus bis zur Salmhütte. Dieser Lehrpfad lüftet viele Erkenntnisse im geologischen Aufbau des Glocknermassivs.
Wesentlichen Anteil an der Realisierung dieses Projektes hatte der Geomorphologe Professor Helmut Stingl, der an den Universitäten Eichstätt und Bayreuth lehrte, und seine Frau Beate. Seit 40 Jahren ist er mit seiner Familie ein begeisterter Kals Urlauber: Kals ist in der Wissenschaft ein Begriff geworden und für meine Familie eine zweite Heimat, verrät Prof. Stingl bei der Eröffnung im Juli 2004.
Nicht Schautafeln zieren den Weg, sondern 22 Pfähle mit Nummern. Wir wollten die Landschaft diesmal nicht möblieren, erklärte der Professor. Prof. Stingl räumt gleich mit einer häufig verbreiteten Meinung auf, der Großglockner sei der »Schwarze Berg«. Der Glockner ist grünlich und besteht aus Gestein, das sich einst am Grund eines Ozeanbeckens befand, er ist aus Tiefseegestein entstanden. Die Beschreibung der Stationen dieses Lehrpfades hat Prof. Stingl in einer Broschüre mit einer Auflage von 5000 Stück festgehalten. Bürgermeister Klaus Unterweger und Peter Gruber als Vertreter der Nationalparkverwaltung dankten und lobten die Eichstätter: Diese freundlichen Leute sind gute Gäste und immer willkommen.

Pächter der Glorerhütte

Alois Luckner, 1931 tödlich verunglückt.
Neben anderen: Hans Oberhauser aus Ködnitz, er war auch beliebter Bergführer. Während des Zweiten Weltkrieges bewirtschaftete seine Frau Magdalena die Hütte. Hans Oberhauser (Kramer) wurde seinerzeit als Standesbeamten-Stellvertreter vorgeschlagen, und aus einem diesbezüglichen Schreiben des Standesbeamten in Kals geht hervor: „Nach Fühlungnahme mit Oberhauser hat dieser nicht nur gar kein Interesse für das Standesamt, sondern ist im Sommer infolge Schutzhüttenpächter und Bergführer fast immer abwesend zu Hause.“
1953 scheint als Pächterin der Glorerhütte Elisabeth Groder vom Schliederler in einem GR-Protokoll unter »Getränkesteuer« auf. Sie hat für den Bau des Futterhauses eine gewisse Menge an Getränken verbraucht, die auch von der Gemeinde in der Getränkesteuervorschreibung erfasst wurde. Die Getränkesteuervorschreibung wurde daher um 129, 48 Schilling reduziert.
In den 1960er-Jahren war Anton Amraser aus Oberlesach Hüttenpächter. Mit einem Maulesel belieferte er bis zum Aufzugsbau die Hütte. 1979 war das letzte Jahr von Toni Amraser als Hüttenwirt. 1980 wird Michael Holzer Hüttenwirt.
Hüttenpächter verunglückt. Ab 1980 war Michael Holzer mit seiner Frau Anna Pächter der Glorerhütte. Michael Holzer, geb. 18. Jänner 1939, Bergführer in Lesach 31, ist am 19. September 1980 bei der Bergfahrt mit dem Aufzug zu seiner Hütte abgestürzt und unmittelbar seinen Verletzungen erlegen. – Wie schon mehrere Jahre veranstalteten die Hüttenwirte gegen Ende der Saison ihren „Gungl“, der auch einem Erfahrungsaustausch dienen sollte. An diesem Septemberfreitag 1980 fuhr Hüttenwirt Michael Holzer gegen Mitternacht mit der Materialseilbahn von der Talstation in Nähe Lucknerhaus zu seiner Hütte. Zwischen der dritten und vierten Stütze fiel Holzer aus der mit Lebensmittel und Getränken beladenen Materialseilbahn (offene Holzkiste) aus nicht geklärter Ursache auf den Wiesenboden, wobei er sich tödliche Verletzungen zuzog. Laut Sprengelarzt Dr. Michael Bachlechner ist Holzer unmittelbar nach dem Sturz verstorben. (Chronik GP-Huben) – An der Absturzstelle, etwa 20 Minuten Fußweg unterhalb der Glorerhütte, erinnert eine Gedenktafel an dieses Unglück.
In den 1980er-Jahren bis 1989 waren Elfi Leitner, Tochter von Rudolf Schnell, und ihr Gatte Andreas Leitner Pächter der Glorer-Hütte.
Von 1990 bis 2005 war Christian Oberlohr (Sohn von Sebastian Oberlohr/Luckner Wast) mit seiner Frau Claudia, geb. Green, Pächter der Glorerhütte. Anm: In diesen Jahren, beruflich war ich in Lienz, war für mich der Weg Lucknerhaus-Glorerhütte ein echter „Entspannungsweg“, ein Weg, um den Geist zu beleben, neue Kraft zu holen. Es werden wohl weit über 100 Glorerhütten-Besuche gewesen sein. Im Herbst 2005 wurde die Bewirtschaftung der Glorerhütte ausgeschrieben, Oberlohr Christian wurde Pächter des Blauspitz-Restaurants auf der Bergstation der Vierer-Sesselbahn. Er folgte dort dem Pächter Franz Rogl nach.
Die Sektion Eichstätt übertrug im Frühjahr 2006 die Bewirtschaftung der Glorerhütte dem Bergführer Toni Riepler aus Unterpeischlach. Toni versuchte die ideale Kombination zwischen der Hüttenbewirtschaftung und dem Bergführen zu finden. Bei gutem Tourenwetter ist die Glorerhütte inzwischen an Wochenenden auch im Winter bewirtschaftet.

Glorer-Hütte, ein hochalpiner Stützpunkt

Die Glorerhütte ist ein idealer Stützpunkt für Wanderer und Familien und wird auch als Ausgangspunkt für Glocknerbesteigungen genutzt. Im Sommer hat die Hütte von Mitte Juni bis Ende September geöffnet. In den Wintermonaten ist an schönen Wochenenden Tagesbetrieb für Skitourengeher.
Ausstattung der Hütte 2010:

  • Schutzhütte der Kategorie 1;
  • 15 Zimmerlager, aufgeteilt in 1 Ein-, 2 Zwei-, 2 Drei- und 1 Vierbettzimmer;
  • 41 Matratzenlager, aufgeteilt in 1Achter-, 1 Zehner- und 1 Dreiundzwanzigerlager;
  • 4 Lager im beheizbaren Winterraum;
  • 2 Gasträume mit Kachelöfen;
  • Trockenraum und Dusche;
  • Klettergarten in der Nähe, im Jahr 2009 von Sektionsmitgliedern errichtet.

Als Tourenziele werden vorgeschlagen:
Großglockner, 3.798m
Medlspitze, 2.678m                Gehzeit: 00:30
Kasteneck, 2.824m                 Gehzeit: 01:00
Böses Weibl, 3.121m             Gehzeit: 04:00 Stunden
Gipfelkreuz auf dem »Weißen Knoten« (ca. 2.800 m)
Im Jahr 2008 feierte die Sektion Eichstätt des Deutschen Alpenvereins »40 Jahre Glorer-Hütte in Eichstätter Hand«. Zu diesem Jubiläum stellten die Eichstätter ein Gipfelkreuz auf dem Weißen Knoten auf. Rund 50 Sektionsmitglieder waren nach Kals gekommen. Trotz des trüben Wetters war eine „Delegation Kalser“, ua. Bürgermeister Klaus Unterweger, zur Weihe des Gipfelkreuzes Ende August gekommen. Kein geringerer als Bischof Gregor Hanke aus Eichstätt war gekommen, um das Gipfelkreuz auf dem Weißen Knoten zu segnen.
Sektionsvorsitzender Gerd Seibold wies auf das gute Verhältnis zu den Kalsern hin. „Manch ein Eichstätter hat in der Glockner-Gemeinde seine zweite Heimat gefunden. Dieses Gipfelkreuz soll als Dankeszeichen auf dem Weißen Knoten stehen. In diesem Sinne möge das Kreuz schützend über der Glorerhütte, der Sektion Eichstätt, der Gemeinde Kals, dem Kalser Tal und über ganz Osttirol stehen“, wünschte der Vorsitzende. – Mit Musik von den »Eichinger Buam« wurde noch ausgiebig gefeiert.

Überblick:

1888 - 4 Einwohner von Glor bauen eine Hütte am Berger Törl.

1922 - Die Erben verkaufen die Hütte an die Sektion Donauland des DuOeAV.

1924 - Der inzwischen selbständige AV Donauland erweitert die Hütte von 55 m² auf 88 m².

1938 - Die Glorer-Hütte wird in Teplitzer-Hütte umbenannt (neuer Besitzer: Sektion Teplitz im DAV).

1952 - Der AV Donauland erhält die Glorer-Hütte zurück.

1967 - Gretl Schaffitzel erfährt als erste vom geplanten Verkauf der Glorer-Hütte.

1968 - Die Sektion Eichstätt kauft am 24. Februar die Hütte für 40.000 DM:

Bau der Wasserleitung und des Hochbehälters

Übernahmefeier am 27./28. Juli.

1. Vorsitzender Dr. Biechele: "Wir haben eine Bergheimat gefunden!"

1970 - Bau der Materialseilbahn.

1971 - Einweihung der Materialseilbahn am 4. September.

1976 - Bau einer 3-Kammer-Klärgrube. Erster Einsatz des Bautrupps!

1979 - Letztes Jahr von Toni Amrasser als Hüttenwirt.

1980 - Michael Holzer wird Hüttenwirt. Er verunglückt tödlich am 19. September.

1981 - Andi und Elfi Leitner werden die neuen Hüttenwirte.

Beschlußfassung über den Ausbau der Hütte.

1982 - Beginn der Erweiterung, Sanierung und Verschindelung der Hütte.

Der Arbeitsdienst leistet 15.000 freiwillige Arbeitsstunden.

1987 - Am 1. Mai Hundertjahrfeier der Glorer-Hütte in Eichstätt.

Schlußsteinlegung am 18. Juli durch 1. Vorsitzender Gerd Sturm.

1990 - Christian Oberlohr wird Hüttenwirt.

1993 - Einweihung des Blockheizkraftwerks.

2006 - Toni Riepler wird neuer Hüttenwirt.

2009 - Errichtung der neuen Fluchttreppe

 

 

 
 

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