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Die Geschichte der Sektion Eichstätt des Deutschen Alpenverein

Liebe Bergfreunde, meine Damen und Herren,

bis weit ins 18. Jahrhundert hinein wurden die Berge der Alpen gefürchtet und als lebensfeindlich betrachtet. Das änderte sich, als 1799 Graf Salm, Fürstbischof von Gurkh, führender Botaniker, Physiker und Chemiker des Habsburgischen Reiches in Heiligenblut versammelte, um den Großglockner zu besteigen. Dabei ging es ihm nicht um den bergsteigerischen Ruhm sondern schlichtweg um die Frage - welcher Berg ist der höchste im Habsburger Reich: Der Ortler oder der Großglockner? Die Berichte der Naturwissenschaftler lösten unter den Gebildeten einen - um es neudeutsch zu sagen - Alpenhype aus. So entstanden die ersten akademischen Alpenclubs. Erst 60 Jahre später entdeckten naturbegeisterte Bürger - zunächst der Großstädte - die Schönheit der Berge und so kam es 1869 zur Gründung des D. und ÖAVS in München.

1899 trafen sich 23 Eichstätter Bürger des geistlichen und bürgerlichen Standes um eine Sektion des D. u. ÖAV zu gründen und geben sich wie üblich eine Satzung. 12 Jahre später wurde ein Paragraph aus dieser Satzung wieder gestrichen der lautete: Frauen können keine Mitglieder werden! Das Stimmrecht wurde aber erst viele Jahre später zugesprochen.

Seit Gründung unserer Sektion war der Traum ihrer Mitglieder, eine eigene Hütte in den Bergen. Da dieser Traum aufgrund der finanziellen Möglichkeiten unerfüllbar war, suchte man engen freundschaftlichen Kontakt zur Ingolstädter Sektion und unterstützte diese beim Bau der Ingolstädter Hütte im Steinernen Meer, die dann auch dort ein "Eichstätter Zimmer" einrichtete. Sie half auch tatkräftig mit bei der Erschließung des Steinernen Meers, dessen Durchquerung damals noch ein großes Abenteuer war, insbesondere bei Nebel oder Schneetreiben. Als die Ingolstädter dann eine zweite Hütte bauten, das Riemannhaus, beschloss unsere Sektion 1932, unter ihrem langjährigen und sehr verdienstvollen Vorsitzenden Josef Daentler, einen Verbindungsweg zwischen den beiden Hütten zu finanzieren und bauen zu lassen. Einen Arbeitsdienst gab es damals noch nicht und unter den damaligen politischen Verhältnissen hätte ein Deutscher in Österreich gar nie Arbeitserlaubnis erhalten. Daentler schildert mehrmals, wie er abenteuerlich schwarz die Grenze überschritten hat, um die beiden österreichischen Arbeiter zu bezahlen und den Fortschritt des Wegebaues zu begutachten, der dann bei seiner Fertigstellung 1937 - 2750 Reichsmark gekostet hatte. Weiter erzählt Daentler auch von seinem Traum, den Weg unter der Schönfeldspitze weiter zu bauen, bis zu einer evtl. möglichen Eichstätter  Hütte. Daentler fiel 1943 in Russland und musste so die Aufhebung unserer Sektion 1945 durch die siegreichen Alliierten nicht mehr miterleben.

Doch schon 1 Jahr später erreichte Dr. Josef Rieder, der spätere Domprobst, bei der Militärregierung die Lizenzierung für den Alpenverein Eichstätt. 1947 wurde dann er 1. Vorsitzender nach dem 2. Weltkrieg und insgesamt der 8. Vorsitzende seit der Gründung, was die hohe Beständigkeit in der Sektion aufzeigt.

Erst 3 Jahre später, 1950 wurde der DAV wiedergegründet. 12 Männer, die als die 12 Apostel in die Geschichte des DAV eingingen, stellten die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft. Einer von ihnen war Dr. Karl Biechele, der dann 1951 zum 1. Vorsitzenden unserer Sektion wurde und 21 Jahre lang diese, mit starker Hand führte und prägte.

1952, also vor 65 Jahren konnte die Sektion gemeinsam mit der Sektion Murnau die Bärenfleckhütte erwerben. Sie war zwar keine Hochgebirgshütte, aber für viele Eichstätter ein geliebter Fleck Bergheimat. Die zu zahlenden 8.000,-DM bedeuteten für die Sektion mit knapp 200 Mitgliedern eine große Kraftanstrengung. Die Mitglieder konnten Bausteine kaufen, der Kleinste kostete 50 Pfennige.

1981 verkauften wir unseren Anteil an der Bärenfleckhütte, leider unter unschönen Umständen. Der damalige 2. Vorsitzende der Sektion Murnau und seine Anhänger ekelten uns aus der Hütte. Nach ständigen Beschwerden und Schikanen war es ihm gelungen, meine Nerven so zu strapazieren, dass ich dem Vorsitzenden Holtkamp vorschlug, unseren Anteil zu verkaufen. Neben den Querelen war ein weiterer Grund, das Wachsen bei der Sektion. Beim Erwerb der Hütte zählten beide Sektionen zusammen 400, im Verkaufsjahr aber 1700 Mitglieder. In der Hütte war es zu eng geworden.

Damit sind wir bei der Erfüllung des Traumes unserer Gründerväter - eine Hochgebirgshütte. 1967 beschloss der Alpenverein Donauland aus Wien sich aufzulösen und bot seine Glorer-Hütte dem DAV an. In seiner letzten Sitzung im Jahr 1967 bot der Verwaltungsrat des DAV diese Glorer-Hütte der Sektion Eichstätt an. Dr. Biechele war wie elektrisiert und berief 4 Wochen später eine außerordentliche Mitgliederversammlung ein, bei der der Kauf für 40.000,-DM beschlossen wird. Die Sektion hatte 480 Mitglieder. Der Traum einer eigenen Hochgebirgshütte war Wirklichkeit geworden.

Der Kauf war der Start in eine fantastische Erfolgsgeschichte der Sektion. Die Seilbahn gebaut, die Hütte erweitert, der Altbau saniert, die Hütte verschindelt, Brandmeldeanlage eingebaut, Fluchttreppe erstellt, BHKW installiert, Abwasserleitung und Kabelanschluss verlegt und-und-und. Möglich war das alles nur weil es den 3 Hüttenwarten gelungen war und immer noch gelingt Mitglieder und auch Nichtmitglieder für unsere Glorer-Hütte zu begeistern. Diese legendären Arbeitsdienste stellten ihr Können und Wissen in den Dienst der Sektion, um aus der seit 1924 unveränderten Glorer-Hütte eine liebenswerte Bergheimat für unsere Sektion und eine gern besuchte Hütte für alle Bergwanderer, die am Übergang von der Schober- zur Glocknergruppe vorbeikommen.

Ein bisschen Reklame darf sein. Zu unserer Hütte führen viele Wege, einige erfordern gute Kondition. Nehmen Sie sich Zeit für diese oft einsamen Wege. Von Mittersill über die Rudolfshütte, das Kalser Törl, das Dorfertal, von Heiligenblut über die Salmhütte oder über die Elberfelder-Hütte, von Lienz über die Lienzer-Hütte und Hochschober-Hütte. Wenn sie vom Lucknerhaus aufsteigen, nehmen sie sich 3 Stunden Zeit und das Büchlein "geomorphologischer Lehrpfad" in die Hand, erfreuen sie sich an der wunderbaren Flora und erholen sie sich dann in unserem Kleinod am Berger Törl.

1997 erfüllte sich der große Wunsch der Jugend - eine Kletterwand. Im Kornspeicher der Brauerei Hofmühl hat sich, nach Plänen von Gerd Seibold, der Jugend kräftig unterstützt vom Arbeitsdienst der Glorer-Hütte, dieser Traum erfüllt. Schon 1997 erreicht die Zahl der Mitglieder die Schallmauer 1000.

Und heute 20 Jahre später, nach schönen Jahren und einigen sehr turbulenten Monaten, besitzt die Sektion nicht nur ein schönes Kleinod am Bergertörl sondern auch ein schönes Kletterzentrum am Blumenberg, den JURABLOC. 2018 soll ein Mountainbikeparcours folgen. Die Mitgleiderzahl beträgt Anfang 2018 bereits über 3000.

 

Gerd Sturm
Ehrenvorsitzender

März 2017

 

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