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Mittwoch, 07. Oktober 2015

Bergwaldtagung 2015 in Sonthofen

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Zusammenfassung und Bilanzierung

Schon bei den Vorträgen zum Thema Bergwald wurde klar was der Wald für uns (Homo sapiens) oder Nutzer, alles sein soll. Ich möchte den Begriff Bergwald daher auf den Wald insgesamt ausdehnen.

- Rohstofflieferant, Schutzwald, Sportarena, Naturraum, Jagdrevier usw.

Wie Dr. Sauter in seinen Vortrag bemerkte soll der Wald die „Eierlegende Wollmilchsau“ sein. Wie bekommt man das alles unter einen Hut, so dass jeder Nutzer zu seinem „Recht“ kommt. Dabei vergisst man gerne unsere Mitbewohner, die auf das Ökosystem Wald als ihre Lebensgrundlage angewiesen sind.

Unter dem Hintergrund der EU Verordnung, dass 10 % der Waldfläche aus der Nutzung genommen werden sollen, um eben dem Artensterben entgegenzuwirken und der Artenvielfalt Platz zu geben sich zu entwickeln, stellte die Forstverwaltung bzw. Staatsforsten ihren anderen Weg vor.

Den integrativen Ansatz. (Naturschutzaspekte auf der gesamten Fläche)

-  100 % der Wälder werden weiterhin genutzt.

-  Biotopbäume und Uraltbäume sollen selektiv aus der Nutzung genommen werden.

-  Totholz soll im Wald verbleiben.

-  Nachhaltige Bewirtschaftung.

-  Umbau der Wälder in einen Mischwald.

Besonders im Bergwald unter dem Damoklesschwert des Klimawandels, ist die  Einführung der Weißtanne als Wirtschaftsbaum erforderlich (laut Staatsforsten). Die Fichte wird mit den zunehmend wärmeren Temperaturen im Gebirge nicht zurechtkommen und man will natürlich weiterhin die Erträge für die Holzwirtschaft sichern.

Gerade dieser Umstand sowie der Umbau der Wälder führt zu einem Konflikt mit der Jagd und wurde zum zentralen Thema. Die zu hohen Wildbestände, vor allem das Rotwild, schädigt die Jungbäume durch Verbiss und Schlagschäden massiv. Dieser Umstand wurde bei der Exkursion eindrucksvoll

gezeigt. Das Thema ist über 20 Jahre alt, bis jetzt hat sich nichts getan, allerdings in Zusammenhang mit den Fichtenplantagen.

Aus meiner Sicht ist die momentane Ausrichtung der Jagd und die gesetzlichen Regelungen ( aus dem Jahre 1934) nicht in der Lage  ihre Aufgaben zu erfüllen. Eine Jagdreform ist längst überfällig und die Jagd muss ökologisch ausgerichtet werden. ( 1) Leider versagt die Politik hier wieder mal völlig

und unterwirft sich der einflussreichen Jagdlobby, was die eingeladenen Politiker in der Diskussion eindrucksvoll bestätigten. Ferner muss man auch bemerken, dass die Ausrottung der großen Beutegreifer (die bis auf den heutigen Tag kein Ende nimmt), ebenso wie den Verbau der Zugwege für das Rotwild, erschwerend hinzukommen.

Bei der Exkursion wurde eindrucksvoll gezeigt welche Biodiversität Waldbereiche entwickeln können, wenn man sie nicht mehr nutzt, von Waldmoorbereichen bis zu naturbelassenen Mischwäldern.

Besonders zu erwähnen ist die zeitbegrenzte Beweidung der Moorflächen durch schottische Hochlandrinder. Diese Rinderart hinterlässt keine Erosionsschäden und hält die Flächen von Bewuchs frei. Ein Ansatz, der uns zeigt, dass es Alternativen zur Almwirtschaft gibt. 

Fazit einer sehr gelungenen und informativen Veranstaltung. 

Der integrative Ansatz ist nicht ausreichend, unter dem Gesichtspunkt, die Artenvielfalt zu erhalten und den Wald fit für den unabänderlichen Klimawandel zu machen. 

-          Es müssen spezifisch 10% der staatlichen Wälder aus der Nutzung genommen werden.

-          Großschutzgebiete von ca. 10000ha müssen eingerichtet werden.

-          Totholz auf den bewirtschafteten Flächen min. 40 Festmeter/ha.

-          Kleinflächige Windwürfe nicht mehr aufarbeiten.

-          Alte Wälder sind Hot - Spots der Artenvielfalt. 1% von 750.000 ha Staatswald sind 160 Jahr alt.

-          Die Forstbetriebsleiter und Revierleiter sind personell nicht in der Lage selbst den integrativen Ansatz durchzuführen. Sie sind in einem ständigen Konflikt (als Staatsbedienstete) was von ihnen alles erwartet wird, vor allem fehlen die klaren Vorgaben der Politik.

-          Die bayerischen Staatsforsten müssen nicht gewinnorientiert arbeiten und jährlich um die 240 Mio. Gewinn der Staatkasse überweisen. 

Ein Nebenkriegsschauplatz war die Besucherlenkung. Es wurde beklagt, dass die Hütten und Almen völlig „überlaufen“ sind. Die Übererschließung im Allgäu durch Forststraßen, Almstraßen, (Betonung liegt auf Straßen- geteerte Zufahrtswege) Klettersteigenanlagen usw. hat einen Massentourismus zur Folge bei der die Qualität auf der Strecke bleibt. 

Eine gelungen Tagung, mit einem bitteren Schlusspunkt. Leider fiel die erarbeitete Deklaration wie zu erwarten, völlig nichtsagend und in ihren Punkten allgemein aus.

Alles soll möglich sein -  maximaler Ertrag, max. Artenvielfalt, max. Betretungsrecht usw.

Das ist aber nicht alles auf der gesamten Fläche möglich. Ein Großteil der Waldfläche wird privatwirtschaftlich genutzt und darauf hat man nur begrenzt Einfluss. Darum ist es wichtig wenigsten den staatlichen Bereich ökologisch aufzuwerten. Dazu muss Ross und Reiter klar und deutlich genannt werden und Abstriche in Kauf genommen werden. 

Naturschutzreferent

Gerhard Finsterer 

1 – nähere Info zum Thema auf der Homepage in Kürze

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