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Durchquerung der Pyrenees-Centrales

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Sonntag, 26. Juli 2020 - Samstag, 08. August 2020

Wanderherz, was willst du mehr: Drei Senioren auf dem Pyrenäentrip GR 10 von Gourette bis Vielle-Aure (27. Juli - 10. August) 

Kann das sein, dass wir drei uns den schwierigsten, wenn auch schönsten Teil der Pyrénées-Centrales ausgesucht haben? Diese drei sind Rupert und i, der Hans, Renate ab Gavarnie. Schon die Vorinformationen beeindruckten uns: gute Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit waren Voraussetzung.

Wir Senioren des DAV-Eichstätt wanderten oft durch endlose Farnwiesen entlang der Berghänge. Neben der körperlichen war der Weg auch eine mentale Herausforderung, wenn wir stundenlang durch fast endlose Geröllfelder stiegen oder die Auf- und Abstiege nicht enden wollten. Bei einigen Etappen waren Aufstiege von über 1000 Höhenmetern zu bewältigen, beim Aufstieg zum Refuge de Bayssellance, der höchsten bewirtschafteten Hütte in den Pyrenäen und am höchsten Punkt des gesamten GR 10, dem Sattel  Hourquette d'Ossoue mit 2734 m, waren es fast 1300 Höhenmeter. Dafür wurden wir bei bestem Wetter mit wundervollen Panoramen und Ausblicken belohnt. Kein Tag war wie der andere, jede Gegend, jedes Tal, jede Hochebene, jeder Ort hatte etwas Sehens- und Erlebniswertes zu bieten. Die Vielfalt war überwältigend. Die Pyrenäen können sehr fordernd, aber auch sehr belohnend sein, wenn man sich die Zeit nimmt, sie zu erkunden und zu entdecken. Diese Zeit nahmen wir uns. Wir entdeckten die Flora und Fauna der Pyrenäen -jede Pause tat gut- mit den wunderschönen blauen Kugeldisteln, der großen gelben Pyrenäendistel, dem Zwergginster, der Akeleie, der Heidel- und Preiselbeere,dem wilden Fingerhut, dem filigranen Pyrenäenenzian und den ganzen Wiesen voll Pyrenäenschwertlilien.

Auch die pyrenäische Kulinarik haben wir genossen. In den Refuges gab es Mint mit Wasser als Durstlöscher, la Garbure (Eintopf mit Fleisch und Gemüse),  Bratwurst auf Kartoffelpüree und feinen Tarte myrtille. Und zum Abschluss als Magentratzerl einen Génépi (Kräuterschnaps). Diese Kombination ließ uns unsere Kräfte erneuern und gleich die strapaziösen Mühen des Tages vergessen. Zum Frühstück wurde der Kaffee bemerkenswerterweise in ortsüblichen Schüsselchen serviert, aus denen wir normalerweise  Müsli essen.

Alle diese kulinarischen Köstlichkeiten und die Besonderheiten der Natur durften wir drei erleben. Es waren zwei Wochen voll Power, blendendem Wetter, strapaziös, dank gezielter Vorausplanung  ohne Komplikationen und einem sehr harmonischen Verlauf - alles in allem ein wunderschönes Erlebnis mit Grenzerfahrungen.

 

Die Tour im Einzelnen: Vom Flughafen Toulouse ging es mit der Bahn nach Lourdes, wo wir erstmals nächtigten. Am nächsten Tag brachte uns ein Taxi nach Gourette, zu unserem Ausgangspunkt. (1346m). Bei leichtem Nieselregen und Nebel stiegen wir zum Col de Tortes auf (1799m) und erreichten nach knapp 1000m Abstieg in Arrens Marsous unsere Wanderherberge Centre de Vacances La Salamandre. Von dort ging es, immer noch bei leichtem Regen, hinauf zum Col des Bordéres (1156m) und wieder hinab nach Estaing zum Gite d´étape Les Viellettes (1057m)  Hier konnten wir uns bedienen  -alle Räume waren offen- bis der Betreiber der Herberge kam und uns unsere Lager zuwies. Nun ging es hoch hinauf zum Col d´Ilhéou (2242m) und wieder hinab zum Refuge d´llhéou (1988m) am Nordrand des Lac d´IIhéou. Im Dortoir dieser Herberge gab es ein Matratzenlager in Kojen. In Serpentinen stiegen wir am fünften Tag ab zum Touristenort Cauterets (940m),  den wir aber nur durchquerten. Vorbei an den Thermes des Griffons und der Pont d´Espagne ging es entlang des Gave du Marcadau durch das Tal de Jéret zum Chalet Refuge de Clot (1988m). Eine der schwersten Etappen mussten wir am folgenden Tag bewältigen, vorbei am höchsten Berg der französischen Pyrenäen, dem Vignemale (3298m), zur Refuge de Bayssallance (2651m). Der GR 10 steigt von hier, vorbei an den Grottes de Bellevue, drei in den Fels geschlagenen Höhlen ohne Türen (Notunterstände) und an einem Wasserfall,  fast 1400m steil bergab nach Gavarnie. wo wir es uns im Hotel Marbore gut gehen ließen, wo Renate zu uns kam. Tags darauf machten wir am Vormittag einen Abstecher zum Grande Cascade, mit 400m Fallhöhe einem der größten Wasserfälle Europas. Am Nachmittag stiegen wir auf zum Plateau de Saugué (1610m) zu unserer Unterkunft Gite d´étape Le Saugué. Neben der Herberge gibt es stark frequentierte Zeltplätze. Am neunten Tag ging es wieder auf 1865m hinauf über den Granges de Bué (1482m) und über die Brücke Pont Napoléon hinab nach Luz-Saint-Sauveur (712m), wo wir nochmals in einem Hotel, dem Hotel Les Templiers, übernachteten. Am nächsten Tag war für uns ein schönes Appartment in Baréges  reserviert. Langsam ging unsere Bergtour zu Ende, bevor am vorletzten Wandertag die längste Etappe kam. Wir waren ca 11 Stunden unterwegs, legten fast 22 km zurück, gingen über 1300m bergauf und über 900m bergab, hatten aber die landschaftlich reizvollste Etappe mit tollen Panoramen. Der Weg führte über den Col de Madamète (2509m), vorbei am Lac d´Aumar (2200m),  zum Refuge de l´Oule (1815m) am Lac de l´Oule gelegen. Ein unvergesslicher Tag! Bei der letzten Etappe stiegen wir nochmals hoch zum Col de Portet (2215m) und dann hinab nach Vielle-Aure (797m), wo wir im Village de Vacances l´Estibère wieder eine sehr schöne Wanderherberge fanden.

Am drittletzten Tag fuhren wir mit Bus und Bahn zurück nach Toulouse zum Hotel ours Blanc Centre, genossen dort noch fast zwei Tage Kultur und Kunst und entspannten uns. Wir drei Oldies waren einfach sehr froh, diese Bergtour geschafft zu haben.

Gesamtleistung -nach Renate-: 144km, 7859m bergauf, 8479m bergab

Text: Dr. Hans Eichiner, Rupert Krauß
Bilder: Renate Spiegel, Rupert Krauß

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