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Herbstwandern mit Winterraum-Übernachtung

Samstag, 18. November 2017 - Sonntag, 19. November 2017

Lang ausgemachte Touren verändern durch aktuelle Gegebenheiten häufig und spontan ihren Charakter – sei es durch Änderungen bei den Begleitern aufgrund gesundheitlicher oder privater Gründen oder durch einen unerwarteten Wintereinbruch. So wird aus einer geplanten gemütlichen Herbstwanderung mit Winterraum-Übernachtung schnell eine hochalpine Unternehmung auf Schneeschuhen.

Eigentlich eine kleine Watzmannumrundung geplant: Aufstieg über das Wimbachgries und den Trischübel hinauf zum Kärlingerhaus, Übernachtung und am zweiten Tag Abstieg hinunter nach St. Bartholomä und mit dem Elektroschiff „als Zuckerl“ über den Königssee entspannt zurück nach Schönau. Bei normalen herbstlichen Verhältnissen eine wunderbare Runde um den Watzmann.

Nach den vorangehenden Schneefällen und angekündigtem Wetterumschwung wird allerdings schon vor dem Start umgeplant: Statt durch das Wimbachgries steigen wir um 9.45 Uhr  lieber in das Elektroboot, das uns leise über den Königssee schippert. Wir wollen von Sankt Bartholomä durch die Saugasse aufsteigen und am Sonntag auch hier wieder absteigen. Zu unklar ist ob wir den Weg über den Trischübel auch finden, ob schon jemand vorgespurt hat und wann der Schneefall einsetzen wird.

Am Bootssteg ist noch nicht viel los und außer etwas irritiert dreinblickenden fernöstlichen Touristen ist nur noch eine kleine Gruppe Bergwanderer mit an Bord, die aber in Richtung Gotzenalm aufsteigen wollen und schon an der Haltestelle „Kessel“ aussteigen. In Sankt Bartholomä angekommen machen wir uns mit den vollbepackten Rucksäcken samt Schneeschuhen alleine auf den Weg in Richtung Kärlingerhaus. Je nach Wegweiser stehen und wohl zwischen 3,5 und 5 Stunden Aufstieg bevor.

Zuerst geht es gemütlich am See entlang, kurz durch ein Bachbett und dann langsam hinauf zum Schrainbach-Wasserfall. Ab hier in mehreren Kehren hinauf, oberhalb des Schwalbach mit immer mehr weiß gezuckerter Landschaft. An der Holzstube - einer kleinen Hütte - machen wir kurz Rast. Die Wolken hängen immer noch tief über uns und es bleibt uns der Blick nach oben in die Hachelköpfe verweht.

Weiter geht es durch den immer mehr verschneiten Wald hinauf. Auf den Bäumen liegen rund 20 Zentimeter Schnee der letzten Woche. Noch geht es sich gut ohne Schneeschuhe und wir kommen auf dem Weg gut voran. Schneeschuhe sind hier noch nicht notwendig und die Wege von Mensch und Tier noch gespurt. Bis zum nächsten Abzweig: Einige Spuren gehen noch in Richtung Sigeretplatte weiter, unser Weg in Richtung Saugasse ist unverspurt und liegt jungfräuliche verschneit, aber klar erkennbar vor uns.

Aufstieg durch die winterliche Saugasse

Ab und zu müssen wir uns zwischen umgestürzten Bäumen durchzwängen und über alte Baumstämme kraxeln, bevor der Knackpunkt der Tour vor uns liegt: Die Saugasse mit ihren 28 Kehren in steilem Gelände. Links und rechts hohe Felswände von denen im Winter Lawinengefahr ausgeht. Auch der Grund, weshalb die Tour im Dezember und Januar nur wenig begangen wird. Erst wenn sich der Schnee gut gesetzt hat und die Lawinenwarnstufe gering ist verirren sich desöfteren Schneeschuhgeher hier herauf. Der meiste Verkehr findet im Winter eher auf der „Großen Reibn“ statt, die vom Jenner kommend über die Gotzenalm zum Kärlingerhaus und weiter über das Ingolstädter Haus hinüber zum Wimbachgries zieht.

Wir greifen derweil den Aufstieg an: Eine Kehre nach der anderen überwinden wir stoisch bis der Schnee zu tief wird und wir auf die Schneeschuhe wechseln. Dazu nutzen wir einen kleinen Felsvorsprung, in dem eine kleine Kapelle eingerichtet ist. Teilweise nehmen wir auch eine etwas direktere Route, um den steilen Felswänden nicht allzu nah zu kommen. Immer wieder kommen kleine Eisbrocken aus den Steilwänden oberhalb geflogen und das Risiko von diesen getroffen werden wollen wir nicht eingehen.

Eine Stunde später haben wir den Kampf aber gewonnen und stehen oberhalb der Saugasse und auch oberhalb der Wolkendecke. Wir genießen den Ausblick auf die Hachelköpfe und den sich leider in Wolken hüllenden Watzmann. Vor uns sehen wir die weitere Tour und die Sonne, die langsam hinter Schneiber und Hirsch verschwindet. Ab hier zieht sich der Weg stetig ansteigend durch das Ofenloch und die kleine Saugasse und diverse Latschenhänge hinauf bis auf 1.670 Meter. Die Route ist durch Tiere gut verspurt und recht einfach zu finden. Anscheinend benutzen nicht nur die Menschen die Pfade.

Durch eine wunderbar verschneite Landschaft steigen wir stetig bergauf bis sich vor und der Viehkogel erhebt. Nach einem kurzen Abstieg liegt unser Etappenziel vor uns: Das Kärlingerhaus und dahinter der verschneite Funtensee. Keine Spuren führen zu unserem Ziel. Unverspurt liegt der Schnee vor uns.

Gemütliche Übernachtung im Winterraum

Das Kärlingerhaus mit seinem 200 Betten steht heute allein für uns an seinem einsamen Aussichtspunkt. Schnell haben wir den Winterraum gefunden, klopfen den Schnee von den Schuhen und machen es uns gemütlich: Fensterläden auf, den Ofen geschürt, Schnee zum Schmelzen aufgesetzt und eine erste schnelle Suppe auf dem mitgebrachten Gaskocher gekocht.

Langsam kommt Wärme in den seit zwei Wochen leer dastehenden Raum. Wir machen es uns gemütlich, kochen Abendessen, trinken noch etwas selbst mitgebrachtes Bier und freuen uns über wie wenig man zum Glücklichsten braucht. Der Abend endet recht früh, aber gemütlich im Daunenschlafsack liegend…

Neuer Tag, neuer Schnee

Der nächste Morgen bringt die Aussicht auf 20 Zentimeter Neuschnee. Die gestern Abend noch sichtbaren Gipfel sind heute früh hinter Wolkenschwaden und herunterschießenden Monster-Schneeflocken versteckt. Nach einem ausführlichen Frühstück mit Kaffee, Tee, Kuchen und Müsli packen wir wieder zusammen, machen im Winterraum wieder klar Schiff, schließen die Fensterläden und die Tür hinter uns und stapfen hinaus in den tiefen Schnee.

Bei jedem Schritt taucht man butterweich ein wie in eine weiße Bettdecke. Weich abgefedert jeder Schritt. Die Rucksäcke dann glücklicherweise auch leichter als gestern geht es heute nach einem kurzen ersten Aufstieg nur noch hinab. Auch die Saugasse hat heute ihren Frieden gefunden: Still und steil liegt sie vor uns. Einige Spuren von Gämsen führen steiler hinab als wir mit unseren Schneeschuhen gehen wollen. Wir gehen die Kehren lieber aus und freuen uns über den Schnee, der alles bedeckt.

Am Ende der Saugasse werfen wir nochmal einen Blick hinauf. Für die nächsten Wochen waren wir wohl die letzten, die hier ihre Spuren hinterlassen haben.

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