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  • Blick ins Karwendeltal

Königsradler - Vom Bodensee an den Königssee

Montag, 17. Juni 2019 - Mittwoch, 19. Juni 2019

Königsradler - vom Bodensee an den Königssee

Allgäu-Tirol-Oberbayern-Salzburger Land-Oberbayern

Der Chiemgau King musste leider wegen Teilnehmermangels abgesagt werden. Wir waren nur zu zweit, aber dennoch willig etwas zu unternehmen. Aus dem zweitägigen Chiemgau King wurde eine viertägige Bodensee-Königssee Tour. Das Mountainbike tauschten wir gegen den Crosser. Aus 167 km wurden 440 km. Die Anzahl der Höhenmeter erhöhte sich von 4300 Hm auf 6000 Hm.

Na das kann ja heiter werden, vor lauter Aufregung vergaß ich die gekauften Fahrradkarten im Automaten. In Lindau ging es zu wie am Stachus, Touristen überall und ganz viele Radler, E-Radler. Da hilft nur noch eines, die Flucht ergreifen. Im zermürbendem ständigen auf und ab ging es auf dem Bodensee-Königssee-Radweg bis nach Immenstadt unseren Übernachtungsort. 85 km waren geschafft.

Schon zu Beginn des zweiten Tages war klar, nichts ist langweiliger als einen ausgeschilderten Radweg zu fahren und nichts ist spannender und aufregender als vom Weg abzufahren und neue Wege zu entdecken. Da war es wieder das Kribbeln, die Freude wenn man etwas Verrücktes, nicht geplantes macht.

Ab jetzt begann das Abenteuer. Wie, und vor allem auf welchen Wegen kommen wir an unser Ziel, den Königssee? Es ist diese Abenteuerlust, das Ungewisse, die Neugierde, die uns antreibt und immer wieder vom eigentlichen Weg abzuweichen lässt. Je verrückter eine Idee, desto spannender und verlockender ist es, diese in die Tat umzusetzen. Man kann nur etwas erleben, wenn man sich aus seiner Komfortzone herauswagt und unbekanntes Terrain betritt.

Wir hatten außer der "Bayernnetz für Radler"-Karte keine andere Karte dabei. Ein GPS besitze ich nicht und googlemaps lehne ich ab. Es ist nicht mein Anspruch eine vorgefertigte Route herunterzuladen und diese nachzuradeln oder sich von googlemaps leiten zu lassen. Ganz planlos waren wir nicht. Die Vielzahl von Mountainbiketouren und Mountainbikemarathons in den Bergen, hat in meinem Kopf ein ganzes Netzwerk an Wegen angelegt.

Nachts konnte ich nicht schlafen, weil ich so viele Streckenvarianten wusste, wie man an Bayerns tiefsten See (tiefste Stelle, 190 m) gelangen kann. Die Schwierigkeit bestand darin sich für eine der zahlreichen Variante zu entscheiden. Jeden Tag ging das so. Es war vor Tourantritt nie klar, auf welcher der unzähligen Streckenmöglichkeiten wir zu unserem nächsten Etappenziel radeln.

So ging es von Immenstadt übers Oberjoch durchs Blumenmeer des Thannheimer Tals ins Lechtal. Hier fließt der Lech noch in seinem natürlichen Bett und ist Europas letzter Wildfluss. Ab Reutte wird er wieder durch den Menschen gezähmt und in ein Bett gezwängt. Ein Bad im türkisblauen Plansee war unser nächstes Ziel. Gut abgekühlt ging es über Garmisch-Partenkirchen nach Wallgau. Zwischendrin musste noch eine vor lauter Kraft gerissene Kette repariert werden. Kein Problem, wenn man ein passendes Kettenschloss dabei hat. Die Übernachtung in Wallgau war ein wenig spartanisch. Der Ort war ausgebucht und so mussten wir mit einem Notzimmer mit externer Waschgelegenheit vorlieb nehmen.

Gut gefrühstückt ging es nun durchs Isartal nach Vorderiss und vorbei am Sylvensteinsee Richtung Steinberg am Rofan. Ein Radwegweiser wurde uns zum Verhängnis. Er zeigte in Richtung Berg, obwohl wir meines Wissens noch weiter Richtung Achensee fahren müssten. Mein Gefühl trügte nicht. Stetig ging es bergauf. Das konnte nicht stimmen, das war mir klar, aber das Schild zeigte in diese Richtung. Wir fuhren also eine Zusatzschleife. Danach lief wieder alles am Schnürchen. Kaiserhaus, Thiersee, Kufstein, Walchsee, Reit im Winkel. Bei der Ankunft an der Unterkunft wurde ich stutzig, als ich Gästehaus Sachenbacher las und Ruth mir von einer Skifahrerin auf der Hompage der Pension vorschwärmte. Wir werden doch nicht bei Evi Sachenbacher, jetzt heißt sie Stehle, übernachten? Die Pokale im Frühstücksraum waren ein weiterer Hinweis auf die ehmalige  Top-Langläuferin. Der Mann, der uns begrüßte, klärte uns auf, dass er der Bruder von Evi ist und die Pokale von ihr sind. Evi Sachenbacher wohnt jetzt im Allgäu bei Sonthofen.

Nach einer weiteren unruhigen Nacht voller Ideen, wie wir zum Königssee radeln können, stand die Schlussetappe an, die Königsetappe über die Winkelmoosalm ins Heutal. Fahrstraße oder Schotterweg auf die Winkelmoosalm? Lieber die Straße, der Schotterweg ist steil und mit dem Crosser eine absolute Quälerei. Die Fahrstraße war steiler und eine noch größere Schinderei. Jetzt ging es nur noch einmal hinauf zum Schwarzeck und war es geschafft. Vorbei am Hintersee radelten wir durch die Ramsau nach Berchtesgaden und von dort an den Königssee. „Sie haben ihr Ziel erreicht“, hätte die Stimme eines Navigationsgerätes gesagt. Das Bad im See gestaltete sich sehr kurz. So tief wieder See ist, so kalt ist er auch. Rein, raus, abtrocken, fertig.

Ein Gewitter zieht auf und macht meine Idee mit dem Rad noch nach Salzburg zu radeln und Mozartkugeln zu kaufen jäh zunichte. Am Bahnhof gönnen wir uns unter einem Sonnenschirm bei strömenden Regen noch eine Pizza, ehe uns der Zug wieder nach Hause bringt.

Jeder Tag hatte seinen Reiz, sein kleines Abenteuer. Jeden Tag liesen wir uns einfach treiben. Wir vergasen Zeit und Raum. Wir verschmolzen mit dem Rad und der Landschaft. Wir trafen viele interessante Menschen und kamen mit ihnen ins Gespräch. FLOW

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