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MTB Dolomiten 2 Sellaronda mit Zugabe

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Mittwoch, 28. Juni 2017 - Sonntag, 02. Juli 2017

Senza Akku - Molto Bene!

1. Etappe: Wolkenstein - Tierser Alpl

Eine mehrtägige Regenfront in den Alpen änderte unsere Terminplanung. So starteten wir verspätet und noch dazu personell dezimiert (nur noch Ralf und Gerhard waren dabei) am erten Augustwochenende zur Sellaronda in Wolkenstein.

Der Weg führte uns an der Ostseite des Langkofels über Monte Pana-Saltria zum Mahlknechtsjoch. Dort erwartete uns ein grandioses Alpenpanorama, weitläufige saftige Almwiesen rund um den Plattkofel, im Hintergrund der Sellastock und vor uns die Zacken der Rosszähne. Nach einem letzten extrem steilen Anstieg zur 'Tierser Alpl' konnten wir dort mit Südtiroler Köstlichkeiten unsere Energiereserven wieder füllen.

2. Etappe: Tierser Alpl - Schlernplateau - Völs - Compatsch - Mahlknechtsjoch - Friedrich-August-Weg - Sellajoch - Steinerne Stadt - Wolkenstein

In den Gipfeln hingen noch die Wolken vom Gewitterregen der vergangenen Nacht, als wir die Hütte verließen. Ein handtuchbreiter Bilderbuch-Trail führte uns zum Schlernplateau, dann 1500m den Prügelsteig bergab, über zahlreiche Holzbrücken durch die von steilen Wänden begrenzte wildromantische Schlernschlucht. Wir folgten damit dem Weg, auf dem auch heute noch die Völser Bauern ihr Vieh jedes Jahr im Frühsommer hinauf zu den Schlernalmen treiben. Vorbei am Völser Weiher gelangten wir zur Seiser Alm, Europas größter Hochalm, die uns in Compatsch mit Alpenkitsch-Läden und Touristenmassen begrüßte. Schnell strampelten wir weiter, über blühende Almwiesen und vorbei an urigen Hütten zum Passo Duron, wo wir in den Friedrich-August-Höhenweg einstiegen, einen Flow-Trail, den man nicht besser hätte anlegen können.
Der Weg schlängelte sich an der Westseite des Langkofelmassivs vorbei, begleitet von einer beeindruckenden Bergkulisse und führte hinunter zum Sellajoch. Durch die Steinerne Stadt ging es zurück nach Wolkenstein.

3. Etappe Sellaronda: Wolkenstein - Grödner Joch - Pralongia - Campolongopass - Pordoi Joch - Bindelweg

Ein harter Tourentag stand bevor: die fast 800 Höhenmeter zur Mittelstation der Dantercepies oberhalb des Grödner Jochs hatten an vielen Stellen über 25% Steigung. Entlohnt wurden wir - oben angekommen - mit einem traumhaften Blick auf den Sellastock, Langkofel, Schlern und einen anschließenden Supertrail mit Anlegerkurven und Rampen nach Corvara. 
Unterwegs trafen wir endlich mal auf Gleichgesinnte - Mountainbiker! Eine Frauengruppe aus Tschechien!
Von da ab waren 25% Steigung und die 30 Grad im Schatten kein Problem mehr. Dennoch gönnten wir uns eine kleine Pause: ein Picknick auf halber Höhe zur Pralongia auf einer Almwiese inmitten des Bergpanoramas mit Speck, Käse, Brot... une einem Mittagsschläfchen.

Gestärkt gingen wir in die Abfahrt zum Campalongopass, dann wieder bergauf zum Pordoi-Joch. Dort zweigten wir in den Bindelweg ein, ein wahrhafter Traumweg mit unbeschreiblichem Panorama: die Königin der Dolomiten in seiner ganzen Pracht, die Abendsonne, die den Gletscher der Marmolata in einem zarten rosa erstrahlen lässt, der azurblaue Fedaiasee und vor uns die Bindelweghütte. Viel dal Pan (der Weg des Brotes) ist eigentlicher Name des Refugios. Mehlhändler aus Belluno nutzten diesen schmalen Höhenweg um ihre Waren in die ladinischen Täler zu bringen.

4. Etappe: Viel dal Pan - Porta Vescovo - Campitello di Fassa - Val Duron - Wolkenstein

Das Rifugio Viel da Pan - eher eine Pension als Berghütte, was den Komfort und die Verpflegung betrifft - verließen wir bei milder Morgensonne.
Nun ging es den Bindelweg hinauf zum Porta Vescovo. Noch ein letzter Blick hinüber zum Gletscher, dann wechselten wir die Kammseite zum Sellastock.

Auf einem schönen Singletrail fuhren wir zum Pordi-Joch und hinunter nach Canazei: 1200m Abfahrt! Traumwetter! Kein Mensch weit und breit. Nur ein paar Murmeltiere pfiffen uns zu!
In Campitello di Fassa stieg der Weg zum Val Duron wieder an, teils recht knackig. Unterhalb der Waldgrenze öffnete sich das Tal in eine blühende Almwiesenlandschaft. Im Schatten eines Baumes neben einem kleinen Bachlauf genossen wir das Dolcefarninte in der Mittagshitze. Da unsere Trinkvorräte aufgebraucht waren tranken wir das vermeindlich glasklare Bergwasser. Dass dieser Bachlauf jedoch das Badewasser einer Kuhherde war, sahen wir erst bei der weiteren Auffahrt und uns war klar, dass wir am Abend wohl eine desinfizierende Alkoholkur durchführen mussten. 
Vom Passo Duron querten wir rüber zur Murmeltierhütte am Plattkofel. Nach einer guten Knödelsuppe und einer Erfrischung führte uns ein schmaler Pfad am Bergfuß des Plattkofels zur nördlichen Scharte. Von dort ging es über Morte Pana zurück nach Wolkenstein.

Etappe 5 Vajolettal:  Pozza di Fassa - Rifugio Vajolet - Grassleitenpasshütte - Andermoipass - Andermoiasee - Val di Dona - Pera di Fassa

Mit herrlichem Blick auf den Rosengarten kurbelten wir die ersten 600 Höhenmeter zum Rifugio Gardeccia hoch. Um 09.30 Uhr hatte es hier in fast 2000 m schon um die 25 Grad im Schatten.
Die Schotter-Serpentinen zur Vajolethütte teilten wir uns mit den Tagesgästen, die sich - mit einem Schuttelservice - bis zur Gardecciahütte hochfahren ließen.
"Senza Akku - molto bene!", grinsten uns die italienischen Wanderer zu, denen wir auf dem steilen Weg begegneten und die erst einmal einen Akku bei unseren Rädern suchten.

Die Kulisse war gigantisch. Ein grandioses Naturkino lag vor uns: die Vajolettürme und der Kesselkogel. Gegen Mittag erreichten wir die Grasleitenpasshütte, die wie ein Schwalbennest unter einem Felsüberhang hängt. Mountainbiter sind hier eher seltene Gäste: wir sind die Dritten in diesem Jahr, erzählte uns die freundliche Bedienung. Dass jemand mit einem Rad zum Pass hoch geht ist eher die Ausnahme. Der schmale Steig zum Antermoiapass ging nur mit geschultertem Rad. Eine Strapaze, die uns auch Anerkennung zweier betagter Bergfreunde aus Wolkenstein einbrachte: "So Mander des gfallt mir - Respekt!"
Die Anstrengung war nicht umsonst, eine traumhafte Aussicht auf die umliegenden Dolomitengipfel erwartete uns oben am Pass. Im Rifugio Antermoi mit dem vorgelagerten kleinen Antermoiasee genossen wir bei hausgemachtem Apfelstrudel die Eindrücke der letzten Stunden.
Durch das Val di Donna und einen schönen Höhenweg ging es zurück nach Pera di Fassa.

Fazit nach der Tour:

Anerkennung und Respekt mit einem Fahrrad ohne Akku hochzukurbeln stand für die meisten Wanderer, mit denen wir uns den Weg teilten, im Vordergrund. Trailsharing und alpine Verhaltensregen sind in dieser Region ein Muss.
Azyklisch diese bekannten Wege zu befahren hat sich bei der Tour gut bewährt.

Fünf Tage Dolomiten, geiles Wetter, traumhafte Kulisse, nix passiert! Schade, dass nicht alle Teilnehmer wie geplant dabei sein konnten. Im Sommer geht es weiter mit Marmolata, Civetta und Pala.

Bericht: Herbert Kirschner

Fotos: Gerhard Pachowsky und Herbert Kirschner

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