Hochtour Venedigergruppe
Großvenediger (3.666 m) – „Weltalte Majestät“
Es gibt Berge, die man besteigt. Und es…
Samstag, 01. August 2026 - Samstag, 08. August 2026
Tag 1, Samstag, 01.08.2026, Anreise nach Évian-les-Bains (29 km, 550 Hm)
Évian kennen viele vom berühmten Mineralwasser oder vom G7-Gipfel, der dort einst stattfand. Évian war außerdem Startort der 16. Etappe der Tour de France 2026. In einem 26 Kilometer langen Einzelzeitfahren ging es zunächst hinauf in die Berge und anschließend rasant hinunter nach Thonon-les-Bains.
Gleich nach unserer Ankunft in Évian-les-Bains nutzten wir die Gelegenheit für ein Bad im Genfer See. Anschließend radelte ein Teil der Gruppe auf der Strecke des Einzelzeitfahrens der Tour de France 2026, allerdings noch etwas höher und weiter hinauf als die Profis. Der andere Teil füllte derweil seine Trinkflaschen an der Quelle des berühmten Évian-Wassers auf, in der Hoffnung auf ein paar zusätzliche Kräfte für die kommenden Tage.
Tag 2, Sonntag, 02.08.2026, 90 km, 2300 Hm, Évian-les-Bains – Grand-Bornand
An der Quelle des bekannten Évian-Wassers füllten wir nochmals unsere Flaschen auf, in der Hoffnung, dass es uns ein paar Superkräfte verleiht. Nach einer Gedenkminute für unseren kürzlich verstorbenen Radkameraden machten wir uns auf den Weg nach Grand-Bornand, das manchen aus dem Biathlonsport bekannt ist.
Zunächst ging es gemütlich entlang des Genfer Sees, ehe der Tag mit einer langen Auffahrt auf den Colombier seinen sportlichen Höhepunkt fand. Besonders die letzten vier Kilometer mit durchgehend rund zehn Prozent Steigung forderten noch einmal alle Kräfte. Von dort aus ging es die letzten Kilometer nur noch bergab zu unserer Unterkunft.
Die Fahrer des Begleitfahrzeugs nutzten die Wartezeit und fuhren währenddessen auf das Plateau de Solaison. Der Anstieg ist elf Kilometer lang und weist rund 1.000 Höhenmeter auf. Hier führte der Schlussanstieg der 15. Etappe der Tour de France 2026 hinauf. Da dies offenbar noch nicht genug war, nahmen sie anschließend ebenfalls den Col de Colombier unter die Räder. Am höchsten Punkt trafen beide Gruppen wieder zusammen und konnten gemeinsam nach Grand-Bornand abfahren.
Tag 3, Montag, 03.08.2026, 100 km, 2000 Hm, Grand-Bornand – Chambéry
Pleiten, Pech und Pannen, aber auch Glück begleiteten uns an diesem Tag.
Die Passage de la Soif, auf Deutsch „Durststrecke“, forderte die Radler gewaltig heraus, bot aber immer wieder beeindruckende Ausblicke auf den Mont Blanc, den höchsten Berg Europas. Das ständige Auf und Ab sowie der grobe Schotter kosteten die letzten Kraftreserven. Auch das Material wurde stark beansprucht.
Ein großer Stein schlitzte den Reifen eines Radlers seitlich auf. Da half selbst die Tubeless-Milch nicht mehr, die kleinere Löcher normalerweise sofort abdichtet. Mit Klebeband und einem Stück Karton konnten wir den Schaden notdürftig reparieren, sodass die Fahrt mit Schlauch fortgesetzt werden konnte. Die Panne war behoben.
Doch die lange Schotterpassage und die sommerlichen Temperaturen forderten ihren Tribut. Erschöpft „plünderten“ wir einen Supermarkt, um unsere Energiereserven wieder aufzufüllen. Auf dem weiteren Weg nach Chambéry riss kurz vor dem Ziel auch noch der Schaltzug eines Radlers.
Zum Glück befand sich ein Bahnhof in der Nähe. So legten wir die letzten zehn Kilometer mit dem Zug zurück. Damit sparten wir nicht nur einige Kilometer ein, sondern entgingen auch einem aufziehenden Gewitter mit Hagelschauern. Am Bahnhof in Chambéry angekommen, konnten wir trockenen Fußes zu unserem Hotel direkt gegenüber des Bahnhofs schieben.
Tag 4, Dienstag, 04.08.2026, 45 km, 600 Hm, Chambéry – Culoz, Zugfahrt nach Lyon
Entspannungstag.
Hoch über dem Lac du Bourget bei Aix-les-Bains führte uns die Strecke nach Culoz. Atemberaubende Ausblicke auf den tiefblauen See sorgten für gute Stimmung. Die Fahrer des Begleitfahrzeugs nahmen währenddessen den Grand Colombier unter die Räder. Dieser Anstieg ist ein echter Klassiker bei der Tour de France und vor allem für seine eindrucksvolle Serpentinenpassage bekannt.
Nahezu zeitgleich erreichten beide Gruppen den Bahnhof in Culoz. Von dort ging es entspannt mit dem Zug nach Lyon. Obwohl die Zugfahrer noch 45 Minuten auf ihre Verbindung warten mussten, kamen sie dennoch früher am Hotel an als die Fahrer des Begleitfahrzeugs.
Den Nachmittag verbrachten einige beim Shoppen, andere bei der Besichtigung der Altstadt von Lyon und wieder andere ganz entspannt beim Faulenzen.
Tag 5, Mittwoch, 05.08.2026, 0 km, 0 Hm
Eigentlich wollten wir heute nach Montbrison radeln und uns auf halber Strecke mit den Cyclos Montbrison treffen. Doch daraus wurde nichts.
Fassungslos standen wir am frühen Morgen in der Tiefgarage unseres Hotels in Lyon. Vier Räder waren gestohlen worden, obwohl die Garage nur für Hotelgäste zugänglich ist und die Fahrräder mit mehreren Schlössern gesichert waren. Auf den Aufnahmen der Überwachungskamera ist zu sehen, wie die Diebe die Räder jeweils im Doppelpack davontrugen und anschließend mit einem E-Roller flüchteten.
Polizei statt Pedalieren, Begleitfahrzeug statt Fahrrad hieß es deshalb. Die Lust am radeln war uns vergangen also fuhren wir mit dem Auto nach Montbrison
Kaum waren wir am Nachmittag in unserer Unterkunft angekommen, trafen bereits die Radler aus der Partnerstadt mit vier Ersatzrädern ein. Die Räder wurden angepasst, sodass wir die kommenden Tage doch noch gemeinsam unterwegs sein konnten.
Am Abend stand dann der offizielle Empfang im Rathaus auf dem Programm. Wir wurden empfangen wie Staatsgäste. Neben Christophe Bazile, dem Bürgermeister von Montbrison, waren weitere hochrangige Vertreter aus Politik und Verwaltung anwesend und begrüßten uns herzlich.
Tag 6, Donnerstag, 06.08.2026, 60 km
Die erste Tageshälfte stand ganz im Zeichen der Tour de France Femmes. Gemeinsam mit den Cyclos Montbrison streiften wir durch die Fanmeile, standen wie kleine Kinder am Straßenrand, als die Werbekarawane vorbeifuhr, bestaunten die zahlreichen Teamfahrzeuge und Mannschaftsbusse, beobachteten die Fahrerinnen beim Aufwärmen, erlebten die Teampräsentationen und feuerten die Fahrerinnen beim Start der Etappe an.
Sogar im Lokalradio waren wir vertreten. Der Sender interessierte sich für unseren Besuch und unser Partnerschaftsprojekt.
Am Nachmittag erkundeten wir mit den Rädern die flache Umgebung von Montbrison. Unsere Gastgeber führten uns zu einigen Sehenswürdigkeiten der Region.
Den Abend ließen wir bei einem kleinen Empfang im Vereinsheim der Cyclos Montbrison mit regionalen Spezialitäten ausklingen.
Tag 7, Freitag, 07.08.2026, 90 km, 2000 Hm bzw. 60 km, 1000 Hm
Um 8:00 Uhr starteten wir am Vereinsheim zu unserer letzten gemeinsamen Ausfahrt.
Während die Strecke am Vortag überwiegend flach gewesen war, stand die heutige Tour ganz im Zeichen der Berge. Ich hatte mir gewünscht, auf den höchsten Berg der Umgebung zu radeln, und die Montbrisonnais hielten Wort.
In zwei Leistungsgruppen aufgeteilt, ging es los. Von Beginn an führte die Strecke stetig bergauf. Ein Paradies für Radfahrer: So könnte man die Monts du Forez wohl treffend beschreiben.
Am höchsten Punkt der Tour, der Auberge de Garnier, einem Bergrestaurant auf 1.338 Metern Höhe, trafen beide Gruppen wieder aufeinander. Gemeinsam wurde gegessen, geredet und gelacht, ehe es anschließend rund 20 Kilometer nahezu ausschließlich bergab zurück zum Ausgangspunkt ging.
Beim gemeinsamen Abschlussabend wurden bereits Pläne für weitere Treffen und gegenseitige Besuche geschmiedet.
Tag 8, Samstag, 08.08.2026, Heimreise
Im Gepäck hatten wir unvergessliche Erlebnisse, beeindruckende Touren und vor allem viele herzliche Begegnungen.
Die Cyclos Montbrison haben uns einen wundervollen Aufenthalt bereitet und sich unglaublich viel Mühe gegeben, damit wir uns bei ihnen wohlfühlen. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken.
Eines steht fest: Wir werden wiederkommen.