Hochtour Venedigergruppe
Großvenediger (3.666 m) – „Weltalte Majestät“
Es gibt Berge, die man besteigt. Und es…
Freitag, 10. Juli 2026 - Sonntag, 12. Juli 2026
Von der Halle an den Fels – oder: Warum ein „5er“ nicht immer ein „5er“ ist
Eigentlich sollte der Kurs „Halle an den Fels“ mit einer stattlichen Gruppe stattfinden. Am Ende standen allerdings nur drei Teilnehmende am Start. Die übrigen Anmeldungen lösten sich kurzfristig wegen Krankheit und anderer Gründe in Luft auf. Über Letztere ließe sich sicher trefflich philosophieren – über Anmeldungskultur, Verbindlichkeit und Wertschätzung ehrenamtlichen Engagements. Aber das wäre wohl Gesprächsstoff für die Brotzeit nach dem Klettern.
Für die verbliebene Kleingruppe erwies sich die Situation jedenfalls als echter Glücksfall. Vom ersten Moment an herrschte ein ausgesprochen wertschätzender und respektvoller Umgang miteinander. Trotz ganz unterschiedlicher Vorerfahrungen wurde gemeinsam gelernt, ausprobiert, gelacht und sich gegenseitig unterstützt.
Los ging es am Donnerstag, den 10. Juli, an der frisch eingeschraubten Außenkletterwand des Jurabloc mit ihren nagelneuen Routen. Am Samstag und Sonntag wechselte der Kurs an den schattigen Jurafels – bei bestem Sommerwetter und entsprechenden Bedingungen.
Ziel des Kurses war es, den Schritt von der Kletterhalle an den Naturfels zu wagen. Denn draußen wartet zwar derselbe Sport, aber eben in einer deutlich abwechslungsreicheren Umgebung – inklusive neuer objektiver und subjektiver Gefahren, für die es Aufmerksamkeit und solides Handwerkszeug braucht. Entsprechend vielfältig waren die Ausbildungsinhalte: vom respektvollen Umgang mit Natur und Fels über die Bewertung von Haken, Toprope einrichten, Umbauen und Fädeln bis hin zum Abseilen sowie dem Nach- und Vorsteigen.
Natürlich sollte das Gelernte nicht nur theoretisch verstanden, sondern auch praktisch angewendet werden. Die Teilnehmenden suchten sich zunehmend eigenständig passende Routen aus – und genau dabei zeigte sich eine wichtige Erkenntniss: Ein „5er“ am Fels hat mit einem „5er“ in der Kletterhalle manchmal erstaunlich wenig gemeinsam. So führte eine ambitionierte Routenwahl schließlich sogar zum ersten kontrollierten Vorstiegssturz am Fels. Kein Drama, sondern eine wertvolle Erfahrung, die eindrucksvoll zeigte: Der Fels stellt andere Anforderungen – und genau deshalb lohnt es sich, ihn mit Respekt, guter Ausbildung und der nötigen Gelassenheit kennenzulernen.
Nach zweieinhalb intensiven Kurstagen rauchten die Köpfe immer wieder. Kein Wunder – der Mix aus Theorie, praktischen Übungen und Klettermetern hatte es in sich. Umso schöner war es zu sehen, wie aus anfänglicher Unsicherheit zunehmend Routine wurde.
Ein solcher Kurs ist ein idealer Einstieg in das sichere Klettern am Fels. Er vermittelt das notwendige Handwerkszeug, schafft Verständnis für die Besonderheiten des Naturfelses und hilft dabei, Risiken besser einschätzen zu können. Gleichzeitig wurde allen Beteiligten bewusst: Wirkliche Sicherheit entsteht nicht an einem Wochenende. Sie wächst mit jeder Tour und jeder reflektierten Erfahrung. Routine und souveränes Handeln lassen sich nicht in zweieinhalb Tagen vermitteln – sie entwickeln sich mit Zeit, Übung und vielen verantwortungsvoll gekletterten Metern am Fels. Genau dafür wurde an diesem Wochenende ein solides Fundament gelegt.
Und deshalb bleibt neben all dem Wissen noch eine weitere Erkenntnis hängen: Am Fels lernt man nie aus – und genau das macht seinen Reiz aus.